Schwangerschaft und MS- warum beschäftigen uns diese Fragen?

Zweiter Teil: Schwangerschaft und MS- warum beschäftigen uns diese Fragen?

Das Alter bei Erstauftreten von MS-Symptomen liegt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Deshalb trifft die Erkrankung Menschen, die zu dieser Zeit oft gerade in der Phase ihres Lebens- und Familienplanung sind. Das wichtigste Anliegen in der Behandlung und Betreuung von Menschen mit MS ist sicherlich, dass auch mit der Krankheit ein möglichst erfülltes und glückliches Leben geführt werden kann und die gewünschte Lebensführung durch die MS möglichst wenig beeinträchtigt wird. Die Erfüllung des Wunsches nach Kindern und Familienleben ist für die meisten Menschen ein sehr intensives Bedürfnis in der Lebensplanung. Schon daraus ergibt sich, dass häufig die Frage nach Möglichkeit und eventuellen Risiken einer Schwangerschaft bei MS gestellt wird.

Früher wurden diese Fragen rasch und einfach beantwortet mit der Mitteilung, dass Frauen mit MS eben keine Kinder bekommen können. Man hat einfach angenommen, dass eine Schwangerschaft den Krankheitsverlauf ungünstig beeinflussen könnte und dass durch die Erkrankung eine ausreichende Betreuung der Kinder gefährdet wäre. In der Zwischenzeit wurden zu diesem Thema aber mehrere Studien durchgeführt, die sich mit dem Risiko einer Schwangerschaft der Mutter und Kind bei bestehender MS beschäftigen und es sind inzwischen sehr genau, und andere Aussagen über den Verlauf einer im Westen der Schwangerschaft möglich. Ein abraten von einer Schwangerschaft ist aufgrund der heute verfügbaren Informationen nicht mehr gerechtfertig wie  nachfolgend ausgeführt werden wird.

Zudem tauchen natürlich immer wieder Fragen über das „richtige „Verhalten in der Schwangerschaft, zur Art der Entbindung, Möglichkeit des Stillens, Therapie während und nach der Schwangerschaft oder im Hinblick auf ein eventuelles Berufsrisiko auf.

Die insgesamt  13teilige Folge setzt sich gezielt mit Schwangerschaft und den damit zusammenhängenden Fragen bei MS auseinander.

Quelle: Universitätsprofessor Dr. Siegfried Strasser-Fuchs, Universitätsklinik für Neurologie, medizinische Universität Graz

Schwangerschaft und was ist für Frauen mit MS vorher zu bedenken?

Dritter Teil:  Schwangerschaft und was ist für Frauen mit MS vorher zu bedenken?

Die Entscheidung ein Kind auf die Welt zu bringen ist sicher von vielerlei unterschiedlichen Faktoren abhängig und erfordert weit reichende Überlegungen-auch bei Frauen, bei denen keine Erkrankung bekannt ist. Im Fall des Vorliegens von MS sind diese Überlegungen noch um einige zusätzliche Fragen erweitert werden. Die wichtigsten dabei auftretenden Fragen sind:

  1. kann ich mit MS überhaupt ein Kind bekommen?
  2. beeinflusst eine Schwangerschaft die Erkrankung negativ?
  3. Werde ich in der Lage sein, für mein Kind auch ausreichend versorgen?

Zusätzlich stellen sich natürlich noch einige andere Fragen wie zum Beispiel über den Ablauf der Entbindung, therapeutische Maßnahmen und Möglichkeiten von Vererbung, auf die später noch eingegangen werden soll.

Quelle: Universitätsprofessor Dr. Siegfried Strasser-Fuchs, Universitätsklinik für Neurologie, medizinische Universität Graz

Dürfen Frauen mit MS überhaupt Kinder bekommen

Vierter Teil: Dürfen Frauen mit MS überhaupt Kinder bekommen

die Frage, ob MS Patienten überhaupt Kinder bekommen können, ist eindeutig mit Ja zu beantworten. Denn es ist eine Erkrankung, die auf die Fähigkeit ein Kind zu empfangen keinen Einfluß nimmt, auch der Verlauf der Schwangerschaft in Bezug auf die Reifung und Entwicklung des Kindes ist unbeeinflußt.

Quelle: Universitätsprofessor Dr. Siegfried Strasser-Fuchs, Universitätsklinik für Neurologie, medizinische Universität Graz

 

Schwangerschaft – verschlechtert MS den Verlauf?

 Fünfter Teil: Schwangerschaft – verschlechtert MS den Verlauf?

Natürlich stellt sich auch die Frage, inwieweit die Schwangerschaft den Verlauf der MS negativ beeinflussen könnte. Zu diesem Thema wurden inzwischen mehrere Untersuchungen durchgeführt. Die größte davon ist die so genannte PRIMS-Studie, die den Verlauf von Schwangerschaften bei Frauen mit MS europaweit beobachtet hat. In dieser Studie wurden 254 Patientinnen mit 269 Schwangerschaften untersucht. Es konnte dabei gezeigt werden, dass der Verlauf der MS durch die Schwangerschaft nicht negativ beeinflußt wird. Während der Schwangerschaft zeigt sich sogar ein Absinken der Häufigkeit von Schüben und zwar besonders im dritten Drittel der Schwangerschaft. Allerdings nahm die Wahrscheinlichkeit von Krankheitsschüben in den ersten 3-6 Monaten nach der Entbindung wieder zu, weshalb die Krankheitsaktivität während der gesamten Schwangerschaft einschließlich der Zeit nach der Entbindung mit dem MS Verlauf vor der Schwangerschaft vergleichbar war. Insgesamt gesehen verursacht eine Schwangerschaft also kein Ansteigen der Schubrate, vielmehr ist diese während der Schwangerschaft selbst sogar geringer.

Diese zumindest kurzzeitig günstige Effekt ließ sich sogar in MR – Magnetresonanztomographie Untersuchungen belegen-allerdings nur in Einzelfällen. Zwei Patienten wurden in einer Zeit, in der wiederholte MR-untersuchungen an ihnen durchgeführt wurden schwanger und zeigten in dieser Phase eine signifikante Abnahme Kontrastmittel aufnehmende Veränderungen bis zu einem völligen Rückgang im dritten Drittel der Schwangerschaft. Nach der Entbindung waren neuerliche aktive Krankheitswerte MR nachweisbar. Diese Befunde bestätigen als für die klinische Beobachtungen eines günstigen Einflusses der Schwangerschaft auf der Erkrankungsaktivität. Allerdings ist dies kein Grundpatientinnen in der Schwangerschaft routinemäßig mit MR zu untersuchen.

Quelle: Universitätsprofessor Dr. Siegfried Strasser-Fuchs, Universitätsklinik für Neurologie, medizinische Universität Graz